TOWERS
„Die Malerei ist hartnäckig. Wie das Unterdrückte taucht sie immer wieder auf. Doch ihre Geschichte wird nicht von Malern gemacht, die aufgeben und wehmütig den altmodischen, zitternden Strich des Zobelhaarpinsels nachahmen, oder von denjenigen, die nachgeben und etwas produzieren, was wegen der erklärten Absicht eine Art Photorealismus ist.“
(Jeff Perrone, Parkett Nr.33, 1992)
Olaf Karnik beschreibt die Musik des `No U-Turn`Labels „bei entsprechender Lautstärke (als) Physisches Gegenüber. Und sie kommt nicht als Freund sondern als Alien:“
Die Bilderwelt Eva-Maria Wildes, ist ein Gegenüber, Physisch wie psychisch. Diese Wirklichkeit setzt sich zusammen aus großformatigen Raster-, Skyscraper- und Metropolenbildern, sowie einer nicht abreißenden Flut von be- und übermalten Werbepostkarten.
Die Postkartenübermalungen lassen den Betrachter an althergebrachte Fähigkeiten wie sammeln,ordnen, vergleichen, bestimmen,und erinnern zweifeln. Sie sind eine Angriff durch Überangebot, welches die Grenzen zwischen Einzelbild und serieller Produktion überschreitet. Die großformatigen Malereien erzeugen ein Spannungsgefüge von hineingesogen und zurückgestoßen werden , unterstützt durch eine reduzierte Palette von Grundfarben und deren Ausmischung, sowie dem wiederkehrenden Farbton der Grundierung – ein Rosa, welches einem alptraumartig die Wahl lässt zwischen kindlicher, niedlicher Mädchenfarbe (Abteilung heile Welt) und einer bad tast Modefarbe – bekannt aus den siebziger Jahren und Billigpreiszonen.
Die fast mechanische Ausführung der Malerei, verstärkt durch die Antistofflichkeit von Dispersions- und Lackfarbe, lässt im Betrachter keinen heimlichen Wunsch des Berührenwollens aufkommen.
Man ist Gefangener der Raster- und Stadtstrukturen. Beobachtet wird man schon eine ganze Weile von einer Vielzahl von Türmen, deren Konstruktion und Funktion sich weder aus einem Architekturdiskurs der minimalisierten und reduzierten Formensprache, noch aus der Paranoia und Systematik eines Überwachungsstaates ablesen lässt – Entkommen fast unmöglich.
Marten Frerichs 1997
in Künstlerbuch Towers, Leonhardi Museum Dresden